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Glauben

[Christen hinterlassen Spuren]

Ich habe eingangs schon erwähnt, dass ich Christ bin. Das scheint auf den ersten Blick nicht ungewöhnlich zu sein. Viele sind ja irgendwie religiös geprägt, auch wenn sie mit Gott und der Kirche vielleicht nichts am Hut haben. Bei mir macht das Christsein einen großen Teil des täglichen Lebens aus. Auf dieser Seite möchte ich erzählen, wie ich Jesus kennen gelernt habe…

Ich bin als Kind evangelisch getauft und erzogen worden und habe in der Grundschulzeit den Kindergottesdienst einer kleinen Dorfkirche besucht. Dort bin ich 1993 als Jugendlicher auch konfirmiert worden. Jedes Jahr zu Weihnachten sind wir zum Krippenspiel gegangen, aber darüber hinaus wurde in meiner Familie der christliche Glaube nicht praktiziert. Als ich zwölf Jahre alt war, ließen sich meine Eltern scheiden. Danach lebte ich mit meiner Mutter, ihrem neuen Lebensgefährten und meinem jüngeren Bruder zusammen. Nach dem Umzug fand ich einen Freund im gleichen Alter, dessen Eltern dort in dem Dorf ein kleines Altenheim betrieben. Florian und ich verstanden uns gut, deshalb verbrachten wir viel Zeit miteinander.

Er besuchte mit seinen Eltern regelmäßig die Gottesdienste der Adventgemeinde Uelzen. Ich fand seinen Glauben und seine Kirche zunächst ziemlich komisch. Fast jede Woche bekam er Besuch von seinem Pastor, der ihm anhand der Bibel Religionsunterricht gab. Da ich die Nachmittage sowieso immer mit ihm verbrachte, blieb ich ab und zu mit dabei. Das war für mich interessant, weil ich zu der Zeit auch Konfirmandenunterricht bekam. Ich hatte damals viele Fragen über das Leben, den Glauben und über Gott. Die beiden Pastoren gingen ganz unterschiedlich mit meinen Fragen um: Der Pastor der evangelischen Dorfkirche konnte oder wollte mir keine Antworten geben. Er tat viele meiner Fragen ab und sagte, die Bibel sei in der heutigen Zeit überholt.

Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten

Im Religionsunterricht von Flo lief es anders ab: Dort wurden meine Fragen ernst genommen. Sie wurden zwar nicht alle sofort beantwortet, aber der adventistische Pastor versuchte, bis zum nächsten Treffen eine Antwort zu finden und ermutigte mich, selbst in der Bibel zu lesen - was ich auch tat. Und so versuchte ich zu verstehen, was es mit diesem Jesus auf sich hat, der sich aus Liebe für die Menschen geopfert hat. Zeitweise war ich wohl eine “harte Nuss” für den Pastor, denn pauschale Antworten haben mich nie zufrieden gestellt. Ob es nun um praktische Fragen des Christseins oder um die Bedeutung der Symbole in den prophetischen Büchern der Bibel ging - immer hatte ich neue Fragen. Ich bin ein rationaler Typ und will auch heute noch alles ganz genau wissen.

Im Herbst 1995 besuchte ich zum ersten Mal ein Treffen der adventistischen Jugendgruppe und etwas später auch die Gottesdienste in der Adventgemeinde. Die fanden wir Jugendlichen meistens ziemlich “öde”. Daher haben wir uns oft hinter der Orgel versteckt, miteinander geredet oder Blödsinn gemacht. Die Jugendstunden aber waren toll und dort habe ich neue Freunde gefunden.

Ende 1996 wurde für mich die Entscheidung, mit Jesus leben zu wollen, immer klarer. Ich hatte jetzt besser verstanden, um was es im christlichen Glauben wirklich geht: Um eine lebendige Beziehung zu Jesus Christus, um die Annahme seiner Erlösung und die Vergebung meiner Schuld vor Gott. Das hatte ich vorher nicht in Anspruch genommen. Nun begann ich, Schritt für Schritt mein Leben mit Jesus zu führen und meinen Tag mit ihm zu gestalten.

Eine weitere Erfahrung, die im Nachhinein meine Entscheidung für Jesus und die biblische Taufe bekräftigt hat, war eine große Krise in meinem Leben und in unserer Jugendgruppe, ausgelöst durch den Unfalltod meines Freundes Andy. Wieso hat Gott ein solches Unglück zugelassen?, dachte ich. Das ließ mich an ihm und am Glauben zweifeln. Mit einem solchen Gott wollte ich nichts zu tun haben!

Es dauerte fast ein halbes Jahr, bis wir zumindest teilweise dieses Ereignis verarbeitet hatten. Das hat uns als Gruppe zusammengeschweißt und in meinem Leben Spuren hinterlassen, die mich reifer gemacht haben. Ich habe in dieser Zeit trotz (oder gerade wegen) meiner Ablehnung Gottes viele Erfahrungen mit ihm gemacht. Ich kann es nicht erklären, aber ich war stark genug, dieses Erlebnis zu verarbeiten. Gott schenkte mir die Kraft dazu und hat mich seine Nähe spüren lassen. Er hat zu mir durch bestimmte Bibeltexte gesprochen, die mir Mut gemacht haben. In Zeiten, in denen ich niedergeschlagen war, kamen plötzlich Menschen, die mich aufmunterten.

Im Sommer 1997 war es dann plötzlich soweit: Ich hatte den klaren Eindruck, dass ich eine Entscheidung treffen sollte. Fünf Jahre lang hatte ich die Bibel studiert, Jesus besser kennen gelernt und herausgefunden, was es mit den Glaubensüberzeugungen der Siebenten-Tags-Adventisten auf sich hat. Jetzt sollten auch andere Menschen von meiner Entscheidung für Jesus erfahren. Der biblische Weg dazu ist, sich wie Jesus taufen zu lassen. Zu meiner Taufe Ende November 1997 hatte ich meine Familie, alle Freunde und meinen ganzen Jahrgang des Gymnasiums eingeladen. Es kamen mehr als 30 Mitschüler in die Adventgemeinde Uelzen, um zu sehen, wie ich nun mit Jesus auch öffentlich ernst machen wollte.

Wenn ich nun auf die vergangenen Jahre und die vielen Erfahrungen mit Gott zurückblicke, stelle ich eine Menge Veränderungen in meinem Leben fest. Ich gehe viel befreiter und offener in die Zukunft. Jesus hat meinem Leben einen Sinn und ein Ziel gegeben. Ich fühle mich sicherer und weiß, dass er für mich da ist und für mich sorgt. In guten Zeiten kann ich meine Freude mit ihm teilen, in schwierigen Situationen trägt und motiviert er mich. Das gibt mir sehr viel Kraft.

Im Vergleich zu früher finde ich mein jetziges Leben mit Gott auch viel aufregender. Täglich erwarten mich neue Abenteuer und Herausforderungen, die ich mit ihm gemeinsam meistern kann. Ich habe immer kreative und scheinbar verrückte Pläne, spinne neue Konzepte und überlege mir Projekte und Initiativen. Natürlich bin ich gespannt, was Gott noch mit mir vorhat. Ich möchte mich von ihm gebrauchen lassen, denn ich habe erlebt, dass etwas für mich dann am Schönsten ist, wenn ich merke, dass es im Sinne Gottes geschieht.

Ich habe auf der Suche nach Gott einige Wegweiser in Gestalt gläubiger Menschen gefunden, die mich zu Jesus geführt haben. Sie haben Spuren in meinem Leben hinterlassen und mich geprägt; Menschen, die ihren Glauben zeitgemäß und relevant leben und sich voller Hingabe für Gott einsetzen; Menschen, die mich herausgefordert haben, ohne meine Fehler und Schwächen zu kritisieren, und durch ihr Beispiel dazu beigetragen haben, dass der Glaube an Gott für mich attraktiv und etwas Lohnenswertes geworden ist. Ich wünsche mir, dass auch ich solche Spuren im Leben anderer Menschen hinterlasse. Ob das gelingt, liegt in Gottes und - nicht zuletzt - in meiner Hand.

Dieser Text ist nur ein Auszug einer längeren Textfassung “Christen hinterlassen Spuren”, den ich für das Buch “Glaube, der mein Leben verändert hat” geschrieben habe.

Dieses Buch ist im Frühjahr 2005 im Advent-Verlag Lüneburg erschienen.

96 Seiten
Paperback
11×18 cm

€ 1,95
Best.-Nr. 7706
ISBN 3-8150-7706-0



Thomas KilianThomas Kilian
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